Dienstag, 3. April 2012

PILL (Lizenz) an 5 praktischen Beispielen erklärt

Heute haben wir unsere neue Lizenz veröffentlicht, unter auch der alle unsere Inhalte stehen. Um sie korrekt zu verwenden können muss man sie auch verstehen können. Daher wird die Lizenz nun an 5 praktischen Beispielen erklärt.

1. Beispiel

Bloggerin A macht ein schönes Foto stellt es auf ihrem Blog unter der PILL (Lizenz) online. Ein befreundeter Blogger B, ein Student, liest ihren Blog regelmäßig und findet ihr Foto einfach klasse. Daher verwendet er es, unter hinweis auf Lizenz und Urheberin (Art. I § 4  Abs. 2 Satz 2 PILL), um seinen nächsten Artikel zu illustrieren. Auf seinem Blog hat er Werbung geschalten, so auch in seinem Artikel. Zu diesem Zeitpunkt hat B noch keine weiteren konkreten Pflichten gegenüber A. 

Im Laufe der Zeit, vielleicht ein Jahr später, wird der Artikel
von einem bekannten Fachjournal zitiert und der Artikel bekommt regen Zulauf, B verdient deutlich mehr mit seiner Werbung, als die paar Euro die Jahre zuvor. Er selbst hat bis dahin als Student mit einem Nebenjob ca. 9.000,00 € Jahreseinkommen. Als er nun mehr als 3.000,00 € mit der Werbung aus seinem Artikel eingenommen hat meldet er sich bei A (Art. I § 5 Abs. 6 Satz 1 PILL). Sie vereinbaren, dass jeweils am Jahresende abgerechnet und gezahlt werden soll. 

Am Jahresende hat B allein mit der Werbung aus seinem mit dem Foto von B illustrierten Artikel 5.432,10 € eingenommen. Das, und, dass er sonst noch 9.000,00 € im Jahr verdient teilt B der A mit und es wird abgerechnet.
Da B Privatperson ist, gilt der Grenzwert von 12.000,00 € pro Jahr (Art. I § 5 Abs. 1 Satz 1 PILL).

Einnahmen von B  aus eigener Arbeit      9.000,00 €
Einnahmen von B aus dem Foto           + 5.432,10 €
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Zwischensumme                                      14.432,10 €        
minus Grenzwert                                   - 12.000,00 €
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Zwischensumme                                        2.432,10 €
Vergütung 1,1%  davon ergibt                        26,75 € (Art. I § 5 Abs. 2 Satz 1 PILL)

A läßt sich das Geld von B überweisen und freut sich, weil ihre allererste Abrechnung so glatt lief und  auch sie von der Aufmerksamkeit für den Artikel des B profitiert hat. 

2. Beispiel

Denn in der Zwischenzeit haben sich noch 17 andere Autoren bei ihr gemeldet, die damit soviel verdient haben, dass sie sich bei ihr melden mussten. Darunter auch der Verlag C, der das Fachjournal verlegt, welches den Artikel von B zitiert hat. Dem Verlag C gefiel das Foto von A so gut, dass sie es für das Cover eines Fachbuches verwendet haben. Das Buch ist ein Standardwerk wurde in der letzten Auflage bereits ausverkauft.

Der Verlag C hat mit dem Buch 1.197.500,00 € eingenommen und hat sonst auch weitere Einnahmen von mehr als 17.500,00 €, das teilt er A am Jahresende, wie vereinbart, mit.  Da der Verlag mit seinen sonstigen Einnahmen über dem Grenzwert liegt, ist dieser nicht mehr in Abzug zu bringen (Art. I § 5 Abs. 1 Satz 1 PILL).

Einnahmen von C aus der Verwendung des Fotos      1.197.500,00 €
Vergütung 1,1 % davon ergibt                                          13.172,50 € (Art. I § 5 Abs. 2 Satz 1 PILL)

A läßt sich das Geld wieder überweisen und freut sich riesig über ihre Einnahmen. Sie überlegt ob sie Fotografin werden möchte und, ob sie nun vielleicht einen Verwerter einschalten sollte (Art. I § 5 Abs. 5 Satz 1 PILL). Dabei denkt sie  an ihren Onkel, der Rechtsanwalt ist, dem würde sie dann 1.197,50 € dafür zahlen (vgl. Art. I § 5 Abs. 1 Satz 2 PILL).

3. Beispiel

2 Monate später fragt der Verlag C bei ihr an, ob er nicht die Nutzungsrechte an dem Bild für 10 Jahre gegen eine Einmalzahlung erwerben könnte (Art. I § 5 Abs. 4 Satz 1 PILL). Das sei einfacher in der Kalkulation und sie müsste nicht bis zur nächsten Auflage warten um wieder Geld zu bekommen. Ihr werden 50.000,00 € angeboten. Sie bespricht sich erstmal mit ihrem Onkel, dem Rechtsanwalt, der sich die Lizenz anschaut und ihr dann mitteilt, dass ihr der Verlag zu wenig geboten hat, laut Lizenz müsste ihr der Verlag C mindestens 65.862,50 € zahlen(Art. I § 5 Abs. 4 Satz 2 PILL). Außer dem sagt er, dass der Vertrag nur vor einem Notar geschlossen werden kann.

Das teilt A dem Verlag C so mit, dieser bietet ihr dann eine Einmalzahlung von 70.000,00 € für die nächsten 10 Jahre an, da man auch nicht wisse, wie lang der schon etwas ältere Herausgeber seine Tätigkeit noch ausüben kann. Inzwischen A lässt sich von ihrem Onkel noch einmal die Funktion eines Notars erklären.

Später trifft man sich beim Notar und schließt einen Vertrag über 70.000,00 € für 10 Jahre.

4. Beispiel

Nun trifft sich A mit ihrer Freundin D zu in einem Cafe. A sieht, dass D ihr Foto als Hintergrundbild auf ihrem Smartphone benutzt. Sie hat es auf dem Blog von B heruntergeladen. A lächelt. D hat sich nie gemeldet und hat ihr auch nie etwas bezahlt, das musste D aber auch nicht (Art. I § 5 Abs. 1 Satz 2 PILL).

5. Beispiel

B hat mittlerweile sein Studium erfolgreich abschlossen und mit zwei Kommilitonen das Startup-Unternehmen E gegründet. Sie schreiben Vermessungssoftware. Nach 2 Jahren meldet sich unter anderem der Vermessungingenieur F, dieser mitteilt, dass er die PILL-lizenzierte Software von E verwendet und damit seinen Umsatz, wegen der verbesserten Qualität seiner Berechnungen mehr Umsatz machen konnte. Im letzten Jahr hatte er vor der Verwendung der Software von E 11.168,32 € Umsatz, seit der Verwendung 47.974,84 € bis zum Jahresende.

Da er so viel zu tun hatte meldete sich F erst jetzt. B sagt, dass F die Software  eigentlich solange, ohne Meldung, gar nicht hätte nutzen dürfen(Art. I § 5 Abs. 7 Satz 1 PILL), zeigt aber Verständnis, weil er weiß, dass man als Selbständiger immer viel zu tun hat, macht   aber auch deutlich, dass er die Genehmigung zur weiteren Nutzung nicht hätte erteilen müssen (Art. I § 5 Abs. 7 Satz 2 PILL). Man vereinbart künftig jedes Quartal abzurechnen und, dass F eine Karenzfrist von 7 Tagen für jedes Quartal erhält. Sodann wird das erste Jahr abgerechnet.


Umsatz von F vor der neuen Software von E    11.168,32 €
Umsatz von F seit der neuen Software von E + 47.974,84 €
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Zwischensumme                                                59.143,16 €      
minus Grenzwert                                             - 17.500,00 €
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Zwischensumme                                                41.643,16 €
Vergütung 1,1%  davon ergibt                                458,07 € (Art. I § 5 Abs. 2 Satz 1 PILL)

F überweist die 458,07 € an E und erteilt für die künftigen Quartalsabrechnungen eine Einzugsermächtigung für das Lastschriftverfahren.

A, B, C, D, E und F sind zufrieden.


Natürlich ist uns klar, dass es sich hier um 5 positive Beispiele handelt. Allerdings dienen sie in erster Linie der grundlegenden Darstellung der Funktionsweise des wirtschaftlichen Teils der PILL (Lizenz) und nicht der Abbildung von Rechtsstreiten.

Bei nicht nur unerheblichen rechtlichen Probleme, egal welcher Herkunft, sollte man immer einen Anwalt befragen. Das kann man übrigens auch bei kleineren Angelegenheiten in der anwaltlichen Beratungsstunde des nächstgelegenen Justizzentrums erledigen. Die anwaltliche Beratungsstunde ist kostenfrei und jedermann zugänglich (hier soweit bekannt für das Justizzentrum Erfurt).

Auf Feedback zur Verständlichkeit der Beispiele, sowie weitere selbst gefundene Beispiel oder gar schon eigene Erfahrungen mit der PILL, sowie Fragen, Kritik und Anregungen in den Kommentaren freuen wir uns.




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